Wo die Not am größten ist

Aufbruch ans geistliche Ende der Welt

Weltweit gibt es etwa 1,7 Milliarden Muslime. Die islamische Welt umfasst über 50 mehrheitlich muslimische Länder und große muslimische Minderheiten in weiteren Ländern. Allein im hinduistischen Indien leben mehr als 160 Millionen Muslime. Und die Zahlen wachsen weiter. Angesichts dieser überwältigenden Aufgabe beschäftigt uns die Frage, was genau unser Auftrag ist. Als Mitarbeiter von Frontiers wollen wir vor allem dorthin gehen, wo bisher noch niemand war: zu jenen muslimischen Völkern, die bisher noch unberührt sind vom Evangelium. Derzeit wissen wir von 641 dieser Völker in der islamischen Welt.

Wir wollen den Menschen in solchen unberührten Völkern ein Gesicht geben. Nehmen wir Feisal: Er wird in einer muslimischen Volksgruppe in Südost-Asien geboren. Als Muslim. Seit 600 Jahren sind alle Menschen in Feisals Volk Muslime. Auch die Völker drumherum sind muslimisch. Feisal bemüht sich zeitlebens, ein guter Muslim zu sein. Er hält die fünf täglichen Gebetszeiten ein, zumindest fast jeden Tag. Er spricht regelmäßig das islamische Glaubensbekenntnis, die Schahadah. Er fastet während des Fastenmonats Ramadan. Feisal gibt Almosen. Er bemüht sich, als guter Mensch zu leben. Und trotzdem spürt er: Es reicht nicht! All seine guten Werke reichen nicht fürs Paradies. Reichen nicht, um Allah zufrieden stellen. Die Pilgerfahrt nach Mekka scheint die Lösung zu sein. Denn in der Moschee hört er, dass Allah auf der Pilgerfahrt in Mekka alle bisher begangenen Sünden vergibt. Also fängt Feisal an, auf die lange Reise nach Mekka zu sparen. Schließlich kann er sich auf die Pilgerfahrt machen. Aber schon auf der Rückreise empfindet Feisal, dass er seine Sünden in Mekka nicht losgeworden ist. Jeder in Feisals Dorf ehrt ihn als vorbildlichen Muslim. Auch seine Kinder schauen zu ihm auf. Aber er selbst lebt mit dieser Enttäuschung im Herzen. Irgendwann vertraut Feisal sich seinem ältesten Sohn Reihan an. „Ich bin nicht so gut wie alle denken. Ich tue mein Bestes. Aber ich weiß, dass ich Vergebung von Allah brauche. Und ich bin mir nicht sicher, ob er mir vergeben hat. Irgendwo muss es Vergebung geben!“ „Nein, Papa, wenn irgendjemand Vergebung erlangt hat, dann bist du es“, widerspricht sein Sohn. Aber Feisal lässt sich nicht beruhigen: „Ich weiß nicht, ob ich reingewaschen bin. Aber irgendwo muss es Vergebung geben.“ Als schließlich Feisals letzte Stunde auf dieser Erde kommt, ist seine verzweifelte Suche nach Vergebung immer noch erfolglos geblieben. Kein Mensch, dem er begegnet ist, konnte ihm die Vergebung zeigen. Deswegen hat er furchtbare Angst vor dem Tod. Er ruft Reihan an sein Sterbebett. „Mein Sohn, irgendwo muss es Vergebung geben. Suche sie, bis du sie findest!“ Mit diesen Worten geht Feisal in die Ewigkeit. 

 

Die Worte seines Vaters hallen in Reihan nach. Aber das Leben geht weiter. Und irgendwann vergisst er sie. Sein Volk bleibt unberührt vom Evangelium. Bis eines Tages Chris mit seiner Frau in die Stadt zieht. Sie sind die ersten engagierten Christen, die sich unter diesem Volk niederlassen. Durch „Zufall“ treffen sich Chris und Reihan auf dem Markt und kommen ins Gespräch. „Was machst du hier?“ fragt Reihan neugierig. „Ich arbeite für eine Organisation, die Kleinkredite an arme Menschen vergibt, damit sie ein kleines Geschäft starten können.“ „Das klingt gut“, meinte Reihan anerkennend. „Aber ich bin auch hier, um etwas zu verschenken“, ergänzt Chris. „Verschenken?“ Das Fragezeichen auf Reihans Gesicht ist unübersehbar. „Ja, verschenken“, erklärt Chris. „Gott hat mir Vergebung geschenkt. Und ich möchte Menschen hier erklären, wie sie selber Vergebung finden können.“ VERGEBUNG! Etwas explodiert in Reihan. Die Worte seines Vater brennen wie Feuer: „Irgendwo muss es Vergebung geben!“ Ein paar Monate später ist Reihan der erste aus seinem Volk, der Vergebung durch Jesus den Messias erlebt - der erste in einem Volk, das viele Jahrhunderte lang vom Evangelium unberührt geblieben war.

„Neue“ Pionier-Initiative: Höchste Priorität

Mit unserer „neuen“ Pionier-Initiative wollen wir so viele „Reihans“ wie möglich in unberührten muslimischen Völkern erreichen. Frontiers war seit Beginn eine Pionierorganisation, doch diese Kernaufgabe braucht beständige Fokussierung.  Leicht wird man vom spezifischen Auftrag Gottes abgelenkt und arbeitet plötzlich überwiegend dort, wo Muslime bereits Zugang zum Evangelium haben. Deshalb fokussieren wir als gesamte Organisation neu und mobilisieren gemeinsam neue Teams, um sie zu den wirklich unberührten Volksgruppen zu senden. Wir haben uns im Gebet das Glaubensziel gesetzt,  weltweit jedes Jahr mindestens zehn neue Teams zu zehn unberührten Volksgruppen auszusenden. Das hat Auswirkungen auf unsere Ressourcen, Finanzen, Mitarbeiter und Teams.

Über Monate haben unsere Feldleiter weltweit gebetet und geplant. Dabei haben sich zwei Gebiete der islamischen Welt für uns als höchste Priorität herauskristallisiert: Die Region mit Sudan, Südsudan und Tschad sowie Nordindien. In diesen beiden Gebieten gibt es die weltweit höchste Konzentration unberührter Volksgruppen. Deshalb wollen wir in den kommenden Jahren viele neue Mitarbeiter gerade in diese beiden Regionen senden.

Sudan, Tschad und der neugegründete Südsudan bilden eine einheitliche Region. In den drei Ländern gibt es insgesamt 88 unberührte Völker. Etliche davon sind auf beiden Seiten der Landesgrenzen angesiedelt. Auch wenn der Zugang zum Sudan derzeit nicht leicht ist, bauen wir an den Grenzen rund um das Land Teams auf: im Süden Ägyptens, im Osten des Tschad und im Südsudan. Sowohl im Südsudan als auch im Tschad sind die Türen weit offen. Man kann sogar offiziell mit einem Missionarsvisum arbeiten – undenkbar in den meisten islamischen Ländern.

Die zweite Fokus-Region ist Nordindien. Dort gibt es insgesamt 32 unberührte muslimische Volksgruppen. Allerdings gehören zu diesen Völkern zum Teil mehrere Millionen Menschen. Die massive Migration in die Städte hat dazu geführt, dass die Grenzen zwischen einzelnen Volksgruppen verwischt sind. Wir konzentrieren uns darum auf strategische Städte. Diese nennen wir „Next 20 Strategic Cities“ (Die nächsten 20 strategischen Städte). Einige unserer Teams kamen hier bereits in Kontakt mit Menschen, die offen sind für die gute Nachricht von Jesus, und stießen auf Volkgruppen, in denen sich vereinzelt bereits Gemeindegründungsbewegungen abzuzeichnen beginnen.

Neue Pionier-Initiative: Regionale Priorität 

Zusätzlich zu diesen beiden Regionen mit höchster Priorität, Sudan, Südsudan und Tschad sowie Nordindien haben wir vier weitere Prioritätsregionen identifiziert. Diese sind:

  • Der Kaukasus 

Während es im übrigen Zentralasien inzwischen unter allen Volksgruppen mindestens eine oder mehrere Gemeinden gibt, ist das Gebirgsmassiv des Kaukasus das Zuhause von insgesamt 14 unberührten Volksgruppen. Für Ausländer ist es nicht leicht, eine Aufenthaltsgenehmigung diesem Teil Russlands zu bekommen. Aber wir nutzen die Möglichkeiten, und unsere Teams dort brauchen Verstärkung.

  • Saudi-Arabien

Im Geburtsland des Islam gibt es viele Städte, die vom Evangelium unberührt sind. 27 der 50 Großstädte der arabischen Halbinsel befinden sich in Saudi-Arabien. Das Land ist überraschend offen für Ausländer, die als Fachkräfte in Firmen oder Bildungseinrichtungen arbeiten wollen oder ihr eigenes Business starten.

  • Sulawesi in Indonesien

Seit dem Tsunami hat es auf der Hauptinsel Sumatra große Fortschritte für das Reich Gottes gegeben. Deshalb sind jetzt die Insel Sulawesi mit den zugehörigen kleineren Inseln und der Molukken-Archipel mit zusammen 24 unberührten Völkern der am wenigsten erreichte Teil Indonesiens.

  • Die Region Afghanistan/Pakistan

Obwohl beide Länder alles andere als sicher sind, können internationale Mitarbeiter in bestimmten Städten leben und arbeiten, um die insgesamt elf unberührten Völker zu erreichen. Es braucht ein bestimmtes Kaliber von Mitarbeitern, um hier langfristig leben und das Reich Gottes zu den unberührten Völkern bringen zu können.

Wenn Interessierte zu uns kommen, die Gott ganz eindeutig zu anderen muslimischen Völkern außerhalb dieser Fokusregionen gerufen hat, senden wir diese Mitarbeiter selbstverständlich in Zusammenarbeit mit ihrer sendenden Gemeinde weiterhin aus. Aber die, die keine klar geographisch umrissene Berufung haben, möchten wir herausfordern, im Gebet Gott zu suchen und Ihn zu fragen: Willst du mich zu einer dieser unberührten muslimischen Volksgruppen senden?

Dadurch wollen wir unser Glaubensziel erreichen, als Frontiers weltweit jedes Jahr mindestens 10 neue Teams zu 10 unberührten muslimischen Volksgruppen auszusenden. Wir sehen dieses Ziel als strategischen Beitrag zu Matthäus 24,14: Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Völkern zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen. 

Könnte Gott dein Leben gebrauchen, um die Geschichte eines der 641 unberührten muslimischen Völker zu verändern? Könnte Gott eure Gemeinde gebrauchen, um Mitarbeiter zu einem muslimischen Volk zu senden, damit es mit der Liebe Gottes und der Nachricht der Vergebung in Jesus als dem Messias berührt wird?