Libanon

Syrische Flüchtlinge im Libanon - Ein Einsatzbericht! 

Wir sind schon wieder einige Wochen zurück aus dem Libanon und trotzdem stehen uns die Bilder und Eindrücke noch vor Augen als wäre es gestern gewesen. Als ein Team von neun Personen waren wir mit einer Mitarbeiterin vor Ort unterwegs, um ihre Arbeit in einem syrischen Flüchtlingslager kennen zu lernen.

Der Hauptschwerpunkt lag auf der Unterstützung eines kleinen Schulprojekts in einem der unzähligen, kleinen Flüchtlingslager im Libanon.

Ganz anders als die großen und oft gut organisierten Lager in Jordanien und der Türkei, die vielfach staatliche Hilfe oder Unterstützung von großen Hilfsorganisationen erhalten, sind die Lager im Libanon klein und meist private Initiativen von Flüchtlingen.

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Viele Lager sind nur etwa 20 km von der syrischen Grenze entfernt. Wir hatten das Vorrecht, die Menschen in einem der Flüchtlingslager kennen zu lernen. Am Ende dieser wenigen Tagen hatten wir das Gefühl, Freunde zurück zu lassen. Wir kamen um zu helfen und gingen selbst reich gesegnet und überreich beschenkt.Auf der anderen Seite sehen libanesische Christen auch ihre Verantwortung, dass sie nicht wegschauen können, wenn mehr als eine Million Flüchtlinge teilweise unter katastrophalen Bedingungen in ihrem Land leben.

Wir erreichten das Lager am ersten Tag schon früh am Morgen. Ein kalter Wind fegte durch das Lager und trieb uns den Schneeregen ins Gesicht. Wir waren betroffen von diesen ersten Eindrücken. Primitive Hütten, notdürftig zusammengezimmert aus Dachlatten und alten Werbeplanen. Wenigstens hatten die meisten einen kleinen Holzofen. Holz ist jedoch Mangelware und so wird oft Plastikmüll verbrannt und ein beißender Geruch liegt über dem Lager. Keiner sprach es aus, aber alle fragten sich „Wie kann man hier leben?“

Wir wussten nicht, wie die Menschen auf uns reagieren würden. Sind wir Willkommen als Gäste aus dem Westen? Begegnet man uns mit Misstrauen? Unsere Bedenken wurden schnell zerstreut, als wir schon nach wenigen Minuten die erste Einladung zu einem Glas Tee erhielten.

Auch die Kinder in der Schule begegneten uns mit unglaublicher Offenheit und Neugier, vertrauensseelig und dankbar für jede Form von Aufmerksamkeit. Sicher genossen wir ein hohes Maß an Vorschussvertrauen, das der guten Arbeit und Investition der Mitarbeiterin vor Ort geschuldet ist.

Im Lager gibt es fünf syrische Lehrer bzw. Lehrerinnen, die selbst Flüchtlinge sind. Sie haben nicht alle eine pädagogische Ausbildung, aber viel Potential und wurden über die Monate von der Mitarbeiterin, die die Schule begann, angeleitet, gefördert und begleitet. Wir waren begeistert, mit welchem Engagement diese Lehrer sich in die kleine Schule und in die Kinder investiert haben. Während der Woche haben wir uns an den Vormittagen hauptsächlich in der kleinen Schule eingebracht. Wir haben teilweise den Unterricht selbst gestaltet oder die Lehrer bei ihrem Unterricht unterstützt.

Trotz der schwierigen Umstände haben sich viele Flüchtlinge eine Würde und einen Stolz bewahrt. Wir haben es nie erlebt, dass sie gebettelt haben, im Gegenteil, sie waren unendlich großzügig und gastfreundlich uns gegenüber.

 An den Nachmittagen hatten wir viele offene Türen und Möglichkeiten, Beziehungen zu pflegen oder uns anderweitig nützlich zu machen. Wir boten ein Programm für kleinere Kinder an, ein spontanes Englischkonversationstreffen mit Erwachsenen, einen „Beauty-Nachmittag“ für Frauen oder wir halfen einer anderen Organisation, Hilfsgüter zu verteilen. Zwei mal trafen wir uns in Kleingruppen, um von unseren syrischen Sprachhelfern ein paar Brocken Arabisch zu lernen. Wie so oft in dieser Woche waren wir auch da selbst die Lernenden.

In dieser Zeit haben wir viele dramatische Geschichten gehört. Von Menschen, die alles, was sie sich mühsam aufgebaut haben verloren haben, von Bombardierungen in Syrien, Angehörigen, die im Krieg ums Leben kamen, von der Flucht und materieller Not.

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Trotz all dieser Geschichten wurde uns klar, dass die materielle Not nicht die größte Herausforderung ist. Weit schlimmer ist die Trost- und Hoffnungslosigkeit. Viele dieser Menschen haben einfach keine Perspektive oder Zukunft. Sie sagten uns, „Wir sind ein von Gott und Menschen vergessenes und verlassenes Volk!

Was diese Flüchtlinge mehr als alles andere brauchen sind Menschen, die gemeinsam mit ihnen hoffen, auf eine bessere Zukunft für sie persönlich, ihre Nation und ihr Land.

Ziemlich sicher war dies in diesen knapp zwei Wochen auch unser größter Beitrag den wir zu leisten vermochten. Wir haben zugehört, Anteil genommen, zusammen gelacht und geweint und Leben geteilt.

Für uns haben syrische Flüchtlinge jetzt Namen und Gesichter, wir kennen Schicksale und Geschichten dazu. Der Abschied von den Kindern, Lehrern und anderen Menschen im Lager nach dieser Zeit war tränenreich auf beiden Seiten. Die Lehrer und Kinder begegneten uns mit riesiger Dankbarkeit und Wertschätzung und wir empfanden es als ein riesiges Vorrecht, dass wir diese kostbaren Menschen kennen lernen durften.

Zurück in Deutschland werden wir oft gefragt, wie man in dieser Situation am besten helfen kann. Sicher ist es möglich und sinnvoll, Gelder zu organisieren, um die Schule weiter betreiben zu können und auch sonst materiell zu helfen. Aber neben der finanziellen Unterstützung braucht es vor allem Menschen, die bereit sind sich langfristig dort zu investieren. Hier kann sich jeder einbringen, egal mit welchem beruflichen Hintergrund. Es gäbe unzählige Möglichkeiten, dort nachhaltige Projekte aufzubauen und für die Syrer ein Segen zu sein. Mehr als Qualifikation ist hier Kreativität, Liebe zu den Menschen und die Bereitschaft ihnen langfristig zu dienen gefragt.

WHERE WOULD JESUS GO? - Diese Frage beschäftigt mich, und ich möchte nähere Infos.


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